Seit dem 1. August 2026 bekommst du für eingespeisten Solarstrom aus einer neuen Dachanlage bis 10 kWp noch 7,70 Cent pro Kilowattstunde. Zurückkaufen musst du denselben Strom abends für rund 35 bis 40 Cent. Diese Lücke ist der einzige Grund, warum sich ein Stromspeicher rechnet – und sie wird größer, nicht kleiner.
Marstek hat im August 2026 zwei neue Geräte in die Venus-E-Reihe geschoben, die genau diese Lücke schließen sollen: den Venus E Mini mit 2 kWh und den Venus E Max mit 10 kWh. Zusammen mit der lieferbaren Gen 3.0 und der angekündigten 4.0 stehen damit vier AC-Speicher nebeneinander, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen. Dieser Artikel sortiert sie – und sagt ehrlich, wann welcher passt und wann keiner.
Was ein AC-Speicher ist – und warum das für Nachrüster wichtig ist
Ein Speicher kann auf zwei Wegen an deine Solaranlage kommen. Bei der DC-Kopplung hängt die Batterie direkt am Hybrid-Wechselrichter, auf der Gleichstromseite. Das ist effizient, setzt aber voraus, dass Wechselrichter und Batterie zueinander passen – also in der Regel eine Neuanlage oder ein Gerätetausch.
Bei der AC-Kopplung hängt der Speicher hinter dem vorhandenen Wechselrichter am normalen Hausnetz. Er hat keine Solaranschlüsse und sieht die Module nie. Genau das ist der Punkt: Ob dein Wechselrichter von SMA, Fronius, Kostal, Hoymiles oder APsystems stammt, ist ihm egal. Die bestehende Anlage bleibt unangetastet, es gibt keine Diskussion mit dem Anlagenbauer und keinen Eingriff in die DC-Verkabelung.
Alle vier Venus-E-Modelle sind AC-gekoppelt. Sie sind damit vor allem für Haushalte gedacht, die schon eine PV-Anlage auf dem Dach haben und den Mittagsüberschuss nicht länger für Centbeträge abgeben wollen.
Die beiden Neuen im Detail
Marstek Venus E Mini – 2 kWh für kleine Haushalte
Der Venus E Mini beantwortet die Frage, was passiert, wenn 5 kWh schlicht zu viel sind. Mit 2.009,6 Wh LiFePO4-Kapazität, 105 mm Bautiefe und 22 kg Gewicht ist er der kompakteste Speicher der Reihe – er passt an eine Wohnungswand, in eine Abstellkammer oder auf den Balkon, ohne den Raum zu beherrschen.
1,5 kW bidirektional bedeuten: Er nimmt Solarüberschuss mit 1,5 kW auf und gibt ihn abends wieder ab. Bei Netzausfall liefert der Backup-Ausgang 1,5 kVA, kurzzeitig 1,8 kVA, mit einer Umschaltzeit unter 15 Millisekunden – Router, Kühlschrank, Licht und Rechner laufen weiter. IP65 und ein Betriebsbereich von −20 °C bis +60 °C erlauben auch Garage oder Carport. Zwei Geräte lassen sich über eine einphasige Marstek SmartBox auf 4 kWh und 3 kW koppeln.
Marstek Venus E Max – 10 kWh in einem Gehäuse
Der Venus E Max ist das andere Ende der Reihe: der erste Venus mit 10 kWh in einem einzigen Gerät, ohne gestapelte Erweiterungsmodule. Er lädt und entlädt mit 3,6 kW statt der 2,5 bis 3 kW der Fünf-Kilowattstunden-Modelle. Das klingt nach einem Detail, ist aber der eigentliche Unterschied: Je höher die Ladeleistung, desto mehr von der Mittagsspitze deiner Dachanlage landet tatsächlich im Akku, statt am Eingang hängen zu bleiben.
Der Notstromausgang liefert ebenfalls 3,6 kW und schaltet in unter 10 Millisekunden um. Über eine SmartBox lässt sich das System auf 10,8 kW und 30 kWh ausbauen, ein- oder dreiphasig. Verbaut sind 314-Ah-LFP-Zellen mit über 10.000 Zyklen und zehn Jahren Herstellergarantie. Wichtig zu wissen: Der Venus E Max ist vorbestellbar, die Auslieferung nennt Marstek für September/Oktober 2026. Ein vollständig freigegebenes Datenblatt mit Maßen, Gewicht und Wirkungsgraden liegt noch nicht vor.
Die komplette Venus-E-Reihe im Vergleich
| Modell | Kapazität | Lade-/Entladeleistung | Notstrom | Erweiterbar auf | Preis | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Venus E Mini | 2,0 kWh | 1,5 kW | 1,5 kVA (1,8 kVA Spitze) | 4 kWh / 3 kW | 569 € | lieferbar |
| Venus E Gen 3.0 | 5,12 kWh | 2,5 kW | 2.500 VA (3.500 VA / 10 s) | 15,36 kWh / 7,5 kW (3 Geräte) | 919,99 € | lieferbar |
| Venus E 4.0 | 5,0 kWh | 3,0 kW | 2,0 kW | 15 kWh / 9 kW | 1.049 € | Vorbestellung |
| Venus E Max | 10,0 kWh | 3,6 kW | 3,6 kW | 30 kWh / 10,8 kW | 2.099 € | Vorbestellung |
Rechnet man das auf den Preis pro Kilowattstunde herunter, liegt die Gen 3.0 bei rund 180 €/kWh, der Venus E Max bei rund 210 €/kWh und der Venus E Mini bei rund 285 €/kWh. Der Mini ist also pro Kilowattstunde am teuersten – das ist bei kleinen Speichern normal, weil Wechselrichter, Gehäuse und Elektronik sich auf weniger Kapazität verteilen.
Welche Größe passt zu welchem Haushalt?
Die brauchbarste Faustformel: Der Speicher sollte etwa so groß sein wie dein Verbrauch zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang – also grob ein Drittel bis die Hälfte deines Tagesverbrauchs. Alles darüber wird im Winter nie voll und im Sommer nie leer.
| Jahresverbrauch | PV-Anlage | Sinnvoller Speicher | Passendes Modell |
|---|---|---|---|
| 2.000–3.500 kWh | Balkonkraftwerk bis 2 kWp | 2–3 kWh | Venus E Mini |
| 3.500–4.500 kWh | 4–8 kWp Dachanlage | 5 kWh | Venus E Gen 3.0 |
| 4.500–6.000 kWh | ab 8 kWp | 8–10 kWh | Venus E Max |
| über 6.000 kWh (Wärmepumpe, E-Auto) | ab 10 kWp | 10–15 kWh | Venus E Max, ggf. mit SmartBox |
Ein Beispiel: Bei 4.200 kWh Jahresverbrauch und 8 kWp auf dem Dach hebt ein 5-kWh-Speicher die Eigenverbrauchsquote typischerweise von rund 30 auf 60 bis 70 Prozent. Das sind grob 1.300 bis 1.700 kWh pro Jahr, die du nicht mehr für 35 Cent kaufst, sondern für 7,70 Cent nicht mehr verkaufst – die Differenz von rund 27 Cent ist dein tatsächlicher Ertrag, also etwa 350 bis 450 € im Jahr.
Ohne Smart Meter arbeitet jeder AC-Speicher blind
Das ist der Punkt, an dem die meisten Nachrüstungen scheitern. Ein AC-Speicher sieht die Solarmodule nicht. Er muss von außen erfahren, wie viel Strom gerade übrig ist – sonst lädt er nach einem starren Zeitplan, der die tatsächlichen Überschüsse selten trifft.
Diese Aufgabe übernimmt ein Smart Meter im Zählerschrank. Es misst, was gerade Richtung Netz abfließen würde, und meldet es dem Speicher, der genau diese Menge aufnimmt. Im Fachjargon heißt das Nulleinspeisung. Marstek nennt als kompatibles Gerät den CT002; wer den Hausverbrauch lieber direkt über die P1- oder Infrarot-Schnittstelle des Zählers ausliest, nimmt den Marstek CT003.
Rechne den Smart Meter von Anfang an mit ein: Er ist in keinem der Speicher enthalten, und der Einbau in die Elektroverteilung gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.
Drei Regeln, die du vor dem Kauf kennen solltest
1. Die 800-Watt-Grenze betrifft nur die Abgabe
Ab Werk geben die Venus-E-Speicher nur 800 W ins Hausnetz ab – das ist die deutsche Grenze für Steckersolargeräte, und in dieser Einstellung reicht die Anmeldung im Marktstammdatenregister. Die volle Leistung lässt sich freischalten, setzt aber einen entsprechend ausgeführten Anschluss und die Zustimmung des Netzbetreibers voraus. Das Laden ist davon nicht betroffen: Der Speicher darf von Anfang an mit voller Leistung aufnehmen. Genau darum landet die Mittagsspitze trotzdem im Akku.
2. Notstrom ist nicht gleich Hausnetz
Bei einem Stromausfall bleibt dein Haus dunkel. Strom bekommen ausschließlich die Verbraucher, die am separaten Notstromausgang hängen. Dieser Kreis muss im Verteiler elektrisch vom übrigen Hausnetz getrennt und eigens abgesichert werden. Plane das bei der Inbetriebnahme mit ein – sonst hast du den Ausgang, kannst ihn aber nicht nutzen.
3. §14a EnWG betrifft Speicher ab 4,2 kW
Steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit mehr als 4,2 kW Netzbezug – dazu zählen Wärmepumpen, Wallboxen und auch Batteriespeicher – müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Der darf sie bei Netzengpässen auf 4,2 kW drosseln, aber nie ganz abschalten. Im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Für die Venus-E-Reihe ist das nur beim Max mit 3,6 kW überhaupt in der Nähe relevant; der Mini und die Gen 3.0 liegen deutlich darunter.
Dynamische Tarife: der zweite Ertragskanal
Alle Venus-E-Modelle laden nicht nur Sonnenstrom, sondern auch günstigen Netzstrom. In Kombination mit einem dynamischen Stromtarif wird das zum eigenständigen Geschäft: Die Marstek-App zieht Börsenpreise, Wetterprognose und dein Verbrauchsmuster heran, lädt in den billigen Nachtstunden und entlädt in der teuren Abendspitze.
Im Winter, wenn die PV-Anlage kaum liefert, ist das oft der einzige Weg, den Speicher überhaupt sinnvoll zu bewegen. Venus E Max und Venus E 4.0 sind zusätzlich für die Teilnahme an virtuellen Kraftwerken (VPP) vorbereitet.
Wenn du noch gar keine Anlage hast
Die Venus-E-Reihe hat keine Solareingänge. Wer neu anfängt und Module direkt anschließen will, ist mit den All-in-One-Geräten besser bedient: der Marstek Venus A mit 2,12 kWh und 4 MPP-Trackern, die Venus D mit 2,56 bis 15,36 kWh oder der Jupiter C Plus, der bis 10,24 kWh wächst. Dort steckt der Wechselrichter mit im Gehäuse – Module dran, App einrichten, fertig.
Häufige Fragen
Kann ich den Venus E Max an eine bestehende Anlage mit SMA- oder Fronius-Wechselrichter hängen?
Ja. AC-gekoppelte Speicher arbeiten unabhängig vom vorhandenen Wechselrichter, weil sie am Hausnetz und nicht an der Solarseite hängen. Der Hersteller des Wechselrichters spielt keine Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen Venus E Gen 3.0 und Venus E 4.0?
Die 4.0 lädt und entlädt mit 3 kW statt 2,5 kW und schaltet bei Netzausfall in unter 10 statt 15 Millisekunden um. Die Gen 3.0 ist dafür sofort lieferbar und mit einem vollständigen Datenblatt dokumentiert; die 4.0 ist angekündigt.
Brauche ich für den Speicher zwingend ein Smart Meter?
Für eine sinnvolle Regelung ja. Ohne Messgerät kennt der Speicher den Hausverbrauch nicht und arbeitet nur nach Zeitplan. Es ist bei keinem Modell im Lieferumfang enthalten.
Muss ich den Speicher anmelden?
Der Speicher selbst wird zusammen mit der Erzeugungsanlage im Marktstammdatenregister geführt. Bei mehr als 4,2 kW steuerbarer Leistung kommt die Anmeldung nach §14a EnWG beim Netzbetreiber dazu.
Wie lange hält so ein Speicher?
Venus E Mini und Venus E Max nutzen 314-Ah-LFP-Zellen mit über 10.000 Zyklen, die Gen 3.0 über 6.000 Zyklen bei 25 °C. Bei einem Vollzyklus pro Tag sind das rechnerisch weit über 15 Jahre; die Herstellergarantie liegt bei 10 Jahren.
Lohnt sich ein Speicher bei nur 7,70 Cent Einspeisevergütung überhaupt noch?
Gerade deswegen. Je weniger die Einspeisung bringt, desto mehr zählt jede selbst verbrauchte Kilowattstunde. Der Ertrag eines Speichers ist die Differenz zwischen Arbeitspreis und Einspeisevergütung – und die ist mit rund 27 Cent so groß wie nie.
Fazit
Die Venus-E-Reihe deckt nach dem Update von 2 bis 10 kWh alles ab, was ein Einfamilienhaus braucht. Die Auswahl ist weniger eine Frage der Marke als der Größe: Venus E Mini für Wohnung und Balkonkraftwerk, Venus E Gen 3.0 als lieferbarer Standard für die typische Dachanlage, Venus E Max für große Anlagen mit Wärmepumpe oder E-Auto. Wer wartet, bekommt mit der 4.0 mehr Leistung bei gleicher Kapazität – wer jetzt Überschuss verschenkt, wartet aber jeden Sommermonat rund 40 € lang.
Weiterlesen: Balkonkraftwerk-Speicher im Vergleich 2026 und Nulleinspeisung richtig einrichten.
Stand: August 2026. Angaben zu Vergütungssätzen und Vorschriften nach bestem Wissen; sie ersetzen keine Beratung durch eine Elektrofachkraft.


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